Liebe Leserinnen und Leser,

Gegensätze bestimmen das Bild rechts:
Licht und Schatten, Natur vor festem Stein, aufblühendes Leben vor der Erinnerung an gewaltsamen Tod.
Das Leben unserer Schwesternkirchgemeinden hat sich von Beginn an in Gegensätzen bewegt. Beide Gemeinden feiern im Jahresabstand ein Jubiläum.
Die Petersgemeinde feiert 2010 125 Jahre Weihe der Neuen Peterskirche, die Bethlehemgemeinde feiert 2011/12 das 100. Jubiläum ihrer Gemeindegründung.
Beide Ereignisse geben Anlass, intensiv (zurück)zuschauen, wie sich christliches Leben in Leipzig durch mehr als ein Jahrhundert gestaltet hat.
Auf Gegensätze stoßen wir dabei von Anfang an: Wohlhabend und arm, fromm und liberal, eher sozial oder eher liturgisch ausgerichtet oder - ein Kapitel besonders tiefer Gegensätze in unseren beiden Gemeinden - aktiv unterstützend oder ablehnend gegenüber der Schreckensherrschaft des Nationalsozialismus. Volkskirchliches Denken und Leben auf der einen Seite und auf der anderen Seite der Zwang, sich z.B. nach 1945 bei der Arbeit mit Kindern völlig neu auszurichten und zu organisieren, ebenso erneut nach 1989. Nie sind die Verhältnisse eindeutig und ohne Gegensätze gewesen, immer gab es auch Risse, Trennungen und Abbrüche unter den Christen vor Ort. Als Petersgemeinde leben wir seit Jahrzehnten in unserer Kirche mit den Gegensätzen von formvollendeter Architektur, noch nicht beseitigten Kriegs- und Umweltschäden bei gleichzeitig vielen Zeichen lebendiger Nutzung.
Was unsere Gemeinden in ihrer ganzen Geschichte hoffentlich immer geboten haben und in Zukunft auch bieten wollen, ist ein Ort, die Gegensätze mit neuen Augen anzuschauen. Wo die Gegensätze mit dem Wissen angeschaut werden:"Da ist einer, der uns trägt und uns in den Gegensätzen Richtung gibt", werden manche Gegensätze ihrer Drohung beraubt und manche Spannungen ihrer Schärfe. Wo Menschen Gott begegnen, bekommen sie auch die Kraft, Entscheidungen auszuhalten oder zu überdenken.
Ich wünsche Ihnen in den kommenden Jubiläumsjahren - die mit dem diesjährigen Gemeindefest in der Peterskirche einen Auftakt erfahren - dass Sie unsere Gemeinden als einen Ort erleben, an dem Sie mitten in Ihren Gegensätzen Geborgenheit und Hilfe finden.
Kommen Sie behütet durch den Sommer.
Es grüßt Sie herzlich Ihr
Pfarrer Johannes Toaspern

Zuletzt geändert am 25.05.2010

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